Vereinsgeschichte des SSV Erkrath 1919 e.V.
Dieser Beitrag gibt nur einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des SSV Erkrath. Als Quelle dienen der in der zum 75-jährigen Jubiläum herausgegebenen Broschüre abgedruckte Bericht zur Geschichte des SSV sowie die in der Folgezeit stattgefundenen Ereignisse.
Die Anfänge
Der Fußball hat schon seit Jahrzehnten eine gute Heimat in Erkrath. Der „Spiel- und Sportverein Erkrath 1919 e.V.“ entstand aus dem 1919 gegründeten „Ballspielverein 1919“, der von Fußballbegeisterten nach dem Ende des ersten Weltkrieges ins Leben gerufen wurde. Aus dieser Zeit sind leider keine weiteren Quellen mehr vorhanden. Das erste Vereinslokal war die Wirtschaft „Am Rosenberg“. Die erste sportliche Heimat stellte eine Wiese dar, die am sog. „Bremsenberg“ lag, dem Terrain an dem jetzigen Zufahrtsweg zur Sportanlage an der Gink. Durch die ersten Häuser, die an der Gink gebaut wurden, mußte der Verein in der Folge wiederholt umziehen. Ein Spielort war dabei eine Wiese in der Nähe des „Heiligenhäuschens“ am Korresberg. Während man an der Gink wegen der Tallage häufig mit „Wasserspielen“ zu kämpfen hatte, gelang auf der Höhenlage am Korresberg so manchem Torhüter mit Hilfe des „Rückenwindes“ das vielleicht spielentscheidende Tor per Abschlag. Irgendwann gelangte der SSV dann doch zum noch heute erhaltenen Standort an der Gink, nachdem das Gelände mit einer endlosen Zahl von Schubkarren voll Erde aufgefüllt und damit „hochwassersicher“ gemacht worden war. Das Gelände trug den Namen „Bahneberg“. Aufgrund der fußballbegeisterten Sportjugend und mit Hilfe der Gemeindeverwaltung, wuchs der Verein kräftig.
Zur damaligen Zeit spielte die Ballfrage eine sehr bedeutende Rolle, denn Bälle waren teuer und nach dem Krieg war kaum Geld vorhanden. Daher wird erzählt, dass der erste Ballwart des Vereins „nur einen einzigen Ball sein eigen nannte und ihn wie seinen Augapfel hütete“. Als „wilder“ Verein konnten zu Anfang nur Freundschaftspiele gegen benachbarte Vereine ausgetragen werden. Daher schloss man sich bald dem westdeutschen Spielverband an, was zu einer geregelten Spielorganisation führte. Jeden Sonntag standen nun entweder Pflicht- oder Freundschaftsspiele auf dem Plan. Die Spieler bewiesen dabei besondere Wanderqualitäten, denn die Anreise zu Auswärtsspielen in Benrath oder Hilden wurde zu Fuß in Angriff genommen. Beim Rückmarsch stärkte man sich gern in einer Gaststätte, was auch die Geselligkeit sehr förderte. Der „Ballspielverein 1919“ führte einen regen Spielbetrieb an der Gink durch, bis der 2. Weltkrieg bzw. vorher die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 das Vereinsleben beendete.
Ein neuer Beginn
Nach dem Kriegsende sammelten sich bald die Sportbegeisterten und wie fast überall nahmen Fußballer und Handballer als erste den Spielbetrieb wieder auf. An der Gink fanden sich alte und junge Sportkameraden ein und übernahmen die Leitung. So kam es am 15. September 1945 im „Hotel zur Post“ zur Neugründung des „Spiel- und Sportvereins Erkrath 1919 e.V.“, der erstmals in Erkraths Sportgeschichte den Zusammenschluss aller ehemals bestehenden Sportvereine brachte. Der erste gewählte Vorstand bestand aus Paul Graf als Vorsitzendem, Hans Ruhland als Geschäftsführer und Peter Otten als Kassierer. Die Jugendleitung übernahm Ferdinand Seidel.
Die ersten Spiele wurden gegen Mannschaften der englischen Besatzungstruppen in Hubbelrath durchgeführt und verloren. Der weitere Spielbetrieb lief langsam an und schon nach wenigen Wochen konnten zwei Fußball-Senioren-Mannschaften und drei Jugendmannschaften am Spielbetrieb teilnehmen. Die 1. Mannschaft wurde der Düsseldorfer Stadtklasse zugeteilt. Auch die Handballabteilung nahm mit zwei Senioren- und einer Jugendmannschaft den offiziellen Spielbetrieb auf. Anfang 1946 wurde eine Damenhandballmannschaft gegründet. Jedoch waren die Rahmenbedingungen für diese Sportart so ungünstig, dass bereits nach einigen Monaten der Spielbetrieb wieder eingestellt wurde. Gleiches galt leider auch für die Damengymnastikabteilung. Spätere Versuche, eine neue Damenhandballmannschaft aufzubauen, scheiterten meist am fehlenden Nachwuchs oder an Heiraten mit Fußballern.
Bereits 1946, einem Dreivierteljahr nach einem erneuten Aufbau des Vereins, hatte der Verein 182 aktive und 51 passive Mitglieder sowie 25 Schüler in der Jugendabteilung. Der SSV entwickelte sich so gut, dass er in der Saison 1948/1949 den ersten Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte, die bis 1953 gehalten werden konnte. Dann folgte trotz eines harten Kampfes um den Klassenerhalt der Abstieg in die 1. Kreisklasse.
Durch die Wiedergründung des TUS 1930 Erkrath verlor der Verein einige Mitglieder und die Handballabteilung löste sich auf.
Unvergesslich ist die sportliche Begegnung mit dem damaligen Oberligaverein Fortuna Düsseldorf am 17.August 1954 auf dem Sportplatz an der Gink. Vor fast 3000 Zuschauern wirkte Weltmeisterschaftstorwart Toni Turek in den Reihen der kombinierten Erkrather und Unterbacher Mannschaft mit. Entgegen allen Erwartungen gab es kein Schützenfest zugunsten der Fortuna, sondern lediglich einen hart erkämpften 5:3-Sieg für die Düsseldorfer. Im Anschluss an das Spiel lud der damalige Gemeindedirektor Albert Peters Toni Turek mit seiner Frau Wilhelmine sowie zahlreiche Mitglieder der Erkrather Sportvereine zu einem Empfang in das Rathaus an der Bahnstraße ein. Wohl nie wieder später sah man so viele freudig erregte Erkrather vor ihrem Rathaus.
Anfang der 60er Jahre wuchs der Verein kräftig weiter. Man verzeichnete drei Senioren –und fünf Jugendmannschaften und eine Mitgliederzahl von 363 und in der Saison 1969/70 dann sogar 424 Mitglieder, sodass vierzehn Mannschaften für den Spielbetrieb gemeldet werden konnten.
In diesem Jahr wurde auch der Sportplatz an der Gink von der Stadt Erkrath für 160.000 DM überholt und erhielt die heißersehnte Flutlichtanlage. Im Einweihungsspiel wurde der damals hoch favorisierte VfL Benrath, eine der klassenhöchsten Düsseldorfer Mannschaften im Amateurfußball, mit einer deutlichen Niederlage nach Haus geschickt.
Im Jahr 1975 wurde dann dank des Engagements des damaligen Gemeindedirektors Albert Peters und mit großzüger Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen an der Freiheitstraße in Erkrath eines der schönsten Rasenfußballstadien der ganzen Region den Vereinen, Schulen und der Bevölkerung übergeben. Der Rasenplatz verfügt über 1000 Sitzplätze, nebenan einen Tartanplatz, damals noch einen Kinderbolzplatz und den Ascheplatz. Die Pflege der Anlage wurde in die Hände von Eduard „Ede“ Wollscheid und seiner Frau gegeben, was sich bis zu deren Pensionierung als absoluter Glücksgriff für den SSV und die Anlage insgesamt erweisen sollte.
Im Jahr 1979 stieg die Mitgliederzahl erstmals über die „Schallmauer“ von 500 Mitgliedern.
Die Geschichte des SSV ist in den achtziger – und neunziger Jahren von vielen Höhen und Tiefen gekennzeichnet. Abstiegen in die Kreisliga B folgte meist der schnelle Wiederaufstieg in die Kreisliga A.
Im Jahr 1986 beschloss eine Mitgliederversammlung auf Antrag der Jugendabteilung eine verstärkte finanzielle und organisatorische Unabhängigkeit der Jugendabteilung. Sämtliche die Abteilung betreffenden Einnahmen und Ausgaben sollten durch sie kassenmäßig abgewickelt werden. Die Jugendabteilung hat bis heute ihren Schwerpunkt an der Sportanlage an der Gink mit einem Clubhaus, nutzt aber verstärkt auch den vor wenigen Jahren errichteten Kunstrasen-Trainingsplatz.
Der Zwang zum Sparen und die aus wirtschaftlichen Gründen zurückgehenden Einnahmen zwangen den SSV, stärker auf Nachwuchs aus der eigenen Jugend zusetzen. So konnten zu Beginn des neuen Jahrtausends etliche Spieler in die 1. und 2. Mannschaft aufrücken und zu erfreulichen Tabellenständen beitragen.
Am 30. September 2004 wurde aus der „Sportanlage an der Freiheitstraße“ das „Toni-Turek-Stadion Erkrath“. Dank einer Initiative des damaligen „Arbeitskreises Stadtmarketing“ gelang es, von der Witwe Toni Turek´s das Namensrecht für das Rasen-Stadion zu erhalten. Dies war der Dank „für viele schöne Jahre, die wir in Erkrath verbracht haben“. Den sportlichen Teil bildeten Spiele der E- und F-Jugendmannschaften des SC Unterbach, von Rhenania Hochdahl und dem SSV Erkrath. Höhepunkt war im Anschluss das Spiel einer Erkrather Stadtauswahl aus Unterbacher, Hochdahler und Erkrather Spielern gegen eine Auswahl von Fortuna Düsseldorf. Das Spiel endete 6: 1 für Fortuna. Sieger im Wettstreit um das Namensrecht blieb aber Erkrath.
Während in den drei Folgejahren der SSV mit guten Tabellenplätzen und spielstarken Mannschaften die Fans erfreuen konnte, folgte in der Saison 2007/2008 der bittere, aber letztlich auch verdiente Abstieg in die Kreisliga B, sodass dort nun zwei Mannschaften des SSV in unterschiedlichen Gruppen spielen werden.
Klares Ziel für die Saison 2008/2009 ist der sofortige Wiederaufstieg in die Kreisliga A, zumal im Jahr 2009 das 90-jährige Jubiläum des Vereins gefeiert werden soll. Nach langer Zeit konnten wieder mehrere vielversprechende A-Jugendspieler in den Seniorenkader wechseln. Gemeinsam mit dem lang ersehnten und im August 2008 eingeweihten neuen Kunstrasenplatz scheinen damit optimale Rahmenbedingungen für den SSV gegeben. Außerdem werden vom neuen Kunstrasenplatz erhebliche Impulse auch für die Jugendabteilung erwartet. Wohl nie in seiner Geschichte hatte der SSV derart gute Trainings- und Spielmöglichkeiten.